Von Falkensee nach Brüssel

07.12.2017

In einem Leserbrief beschreibt Wilfred Dominic Josue in der Märkischen Zeitung eine Besucherfahrt nach Brüssel mit einer Gruppe Geflüchteter aus dem Havelland.

Was kann ich tun, damit Integration von Geflüchteten in Havelland besser gelingen kann?  Diese Frage stelle ich mir jeden Tag, denn als Integrationslehrer bei der Akademie Seehof in Falkensee habe ich die schwierige Aufgabe, dass die Geflüchteten in meinen Integrationskursen nicht nur die deutsche Sprache beherrschen, sondern auch die Rechtsordnung, Geschichte und Gesellschaft von Deutschland verstehen, damit sie sich in unserem Land gut orientieren können.

Natürlich möchte ich nicht nur im Klassenzimmer die Demokratie und Gewaltenteilung auf Kommunaler-, Landes-, und Bundesebene unterrichten. Deshalb organisierte ich Besuche im Rathaus Falkensee, Landtag in Potsdam und Bundestag in Berlin, denn ich mochte wissen, ob solche politische Fahrten Auswirkung auf die Integration von meinen Teilnehmern haben. Die politischen Fahrten waren erfolgreich und meine Teilnehmer lernten viel,  aber ich fühlte mich, als ob etwas fehlte. Und dann realisierte ich, dass meine Teilnehmer nur voneinander lernten und keine Begegnung mit Einheimischen hatten. Ich fragte mich dann: Wie wäre es, wenn ich eine Fahrt mit einer gemischten Gruppe von Einheimischen (Havelländer) und Geflüchteten organisieren würde? Diese Idee hatte ich, als ich eine Fahrt nach Brüssel konzipierte.

Aber vor sechs Monaten war ich unsicher, ob solche „gemeinsame“ Fahrt nach Brüssel, um das Europäische Union besser zu verstehen, finanziell möglich wird. Nach umfangreichen Recherchen fand ich dank der Willkommensinitiative Falkensee Unterstützung von dem Büro des Mitglieds des Europaparlament, Frau Ska Keller, und von Privatpersonen Dank der Die Organisation von dieser Reise war anspruchsvoll, denn ich musste mit dem Büro von Frau Keller, mit dem Reisebüro, mit dem Besucherdienst des Parlaments und mit der Willkommensinitiative fast jeden Tag koordinieren, damit die Reise stattfinden wird. Nach vielen Stunden und intensiven Organisation und Koordination konnten wir vom 26. bis 28.11.2017 Brüssel besichtigen.
Wir fuhren mit dem ICE vom Bahnhof Spandau und nach fast sieben Stunden erreichten wir Brüssel. Es war ein sonniger Tag in Brüssel und deshalb eine gute Gelegenheit einen Stadtrundgang zu machen. Wir besichtigten die Stadt und lernten viel über Brüssel. Am nächsten Tag war es regnerisch, aber trotzdem gingen wir und besuchten den europäischen Ausschuss der Region, wo wir lernten, dass der Ausschuss die Interessen der Städte und Landkreise in der EU vertritt. Am Nachmittag besuchten wir das Parlamentarium, ein sehr interaktiver Ort, wo man mehr über die Geschichte und Strukturen von der EU lernen kann. Gleich danach fuhren wir zum Atomium, das Wahrzeichen der Stadt Brüssel.
Am letzten Tag unserer Reise besuchten wir das Europäische Parlament und sprachen mit der Vorsitzende der Grünen im Europäischen Parlament, Ska Keller, über verschiedene Themen, die für die Geflüchteten und Einheimischen relevant sind. Das Gespräch war sehr interessant, vor allem, weil wir lernten, dass obwohl Millionen von Migranten und Geflüchteten in Deutschland und in Europa sind, sie keine Stimmen im Europäischen Parlament haben und gerade von ausländerfreundlichen Parteien abhängig sind. Wohingegen die Interessen von rechtsradikalen Gruppen stark vertreten sind. Unser letzter Termin war ein Besuch im Haus der europäischen Geschichte, aber zuvor gingen wir spazieren und die anderen Gebäude von dem Europäischen Rat und der Europäischen Kommission von draußen betrachteten.
Natürlich wollten wir die Landesvertretung Brandenburg besuchen aber es klappte diesmal nicht. Es war schade, dass die Landesvertretung absagte und uns mitteilte, dass sie viele Veranstaltungen in dieser Woche habe. Die Havelländer möchten nur wissen, wie ihre Interessen als Brandenburger in der Europäischen Union vertreten werden, aber weil niemand mit uns sprechen wollte, gab es den Eindruck in der Gruppe, dass die Landesvertretung nur Politiker und Lobbyisten in Brüssel empfange.
Diese Reise war trotzdem sehr informativ und meine Teilnehmer haben viel von der EU und miteinander gelernt. Ein deutscher Teilnehmer sagte mir sogar, dass er nach der Reise eine andere und positive Meinung gegenüber den Geflüchteten hat. Am Anfang dachte ich, dass nur meine Teilnehmer von dieser Fahrt profitieren, aber ich bin sehr glücklich, weil ich mindestens einen Deutschen überzeugte, dass Integration durch eine politische Fahrt und Zusammenarbeit gelingen kann. Ich bedanke mich bei allen, die uns halfen, diese Reise zu ermöglichen. Heute bin ich mehr denn je überzeigt, dass jeder für die politische Bildung der Einheimischen und Geflüchteten in der Zukunft zusammenarbeiten sollte. Und man kann mit politischen Fahrten anfangen. Diese Initiative möchte ich weiter leisten, weil ich meinen Teil beitragen möchte, um Integration in unserem Land besser gelingen zu können. Diese Reise ist nur eine Idee in meinem Katalog der Projektideen.

 

 

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